Happy Anyway – was auch immer geschieht

von Alan Lowen, GrŸnder von The Art of Being¨

†bersetzung: Susann P‡sztor

 

Eine Menge Leute sind derart mit Erfolg und Gewinnen beschŠftigt, dass sie nicht einmal mitbekommen, dass sie nicht glŸcklich sind. Genau wie Menschen, die den Tod fŸrchten, wissen sie nicht, wie sie loslassen und verlieren kšnnen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die kaum mehr als das Allernštigste besitzen und auf eine Weise glŸcklich sind, von der die anderen nur trŠumen kšnnen. Worin besteht der Unterschied?

 

Doch, es ist durchaus mšglich, reich und glŸcklich zu sein, ebenso wie erfolgreich und glŸcklich oder berŸhmt und glŸcklich oder alles zusammen und glŸcklich: wenn wir wissen, wie Verlieren geht! Das ist es, worin weniger wohlhabende Leute oft viel besser sind: Sie hatten ein lebenslanges Training im Verlieren, und sie haben keine Angst davor. Als ich einem Freund erzŠhlte, mein nŠchster Workshop hie§e ãHappy Anyway: Die verlorene Kunst der Hingabe lernenÒ, meinte er: ãSchreib nicht âHingabeÕ im Titel! Das wird jeden abschrecken, der mit Erfolg zu tun hat.Ò Er ist Amerikaner, und ich, ein EnglŠnder, der auf beiden Seiten des Atlantiks lebt, kann verstehen, was er meint – und auch, dass EuropŠer vielleicht etwas offener dafŸr sind, ihren DŠmonen zu begegnen. So oder so: Wenn Hingabe fŸr uns ein Tabuthema ist, werden wir niemals glŸcklich sein kšnnen.

 

Das Leben ist ein erstaunliches Geschenk. Das Leben ist schšn! Und es enthŠlt seine eigene Aufhebung: Wir werden alle eines Tages sterben. Deutlicher kšnnte uns das Leben nicht sagen, dass wir lernen mŸssen, zu verlieren. Stattdessen steckt unsere Gesellschaft den Kopf im Sand und sucht nach den sŸ§en Dingen des Lebens. Die Botschaft lautet: Sei erfolgreich, gewinne und mach immer mehr daraus! Schon in jungen Jahren wird uns vorgegaukelt, dass Besitz und Erfolg uns glŸcklich machen. Wir lernen, Belohnungen mit GlŸck zu verwechseln. Es ist nichts Verkehrtes daran, auch sie zu genie§en – nur wenn wir glauben, dass sie uns glŸcklich machen, sind wir auf dem Holzweg. Auf dem verbringen viele Menschen ihr gesamtes Leben: Wenn sie verlieren, strengen sie sich noch mehr an, kaufen noch mehr oder versinken in Depressionen.

 

Das Streben nach Erfolg, der Wunsch zu gewinnen, das Muss-ich-haben-Syndrom – sie alle wurzeln in unserer Angst. Wir wollen immer mehr, um nicht unserer Urangst vor Verlust, Einsamkeit, Verlassenheit und Tod begegnen zu mŸssen. GlŸck bedeutet nicht, dieser Angst zu entrinnen. GlŸckliche Menschen haben Freundschaft mit ihrer Grundangst geschlossen. Sie kšnnen die Annehmlichkeiten des Lebens genie§en – einschlie§lich Erfolg. Sie kšnnen Niederlagen und Verluste mit Anmut akzeptieren. Sie sind in jedem Fall glŸcklich!

 

Um das zu lernen, mŸssen wir uns mit all unseren inneren Verfassungen anfreunden. Die Herausforderung besteht darin, uns auch jenen hinzugeben, mit denen wir hadern, die wir verurteilen oder ablehnen. Das mag sich wie eines der vielen Workshop-Klischees anhšren, aber Tatsache ist: Wenn wir lernen, was uns nicht in der Schule beigebracht wurde – wirklich mit all dem zu SEIN, was hier und jetzt in uns vorgeht –, verwandelt sich unsere Beziehung zu allem. Selbst wenn wir uns dann dafŸr entscheiden, den Erfolg zu suchen, tun wir es aus Freude daran. Wir werden nicht von VerlustŠngsten angetrieben. Wir sind glŸcklich und dankbar, mit dem zu sein, was ist. Wenn ich gewinne: schšn! Wenn ich verliere: auch schšn. Freundlich mit allem umzugehen, was ich erlebe, lŠsst mich glŸcklich sein, denn so kann ich einfach weiter da sein. PrŠsent zu sein ist der SchlŸssel zum GlŸck. Všllig prŠsent kšnnen wir nur dann sein, wenn wir uns ganz uns selbst hingegeben haben.

 

Wir lernen es nicht, indem wir in der Schule darauf gedrillt werden, ein guter Verlierer zu sein. Wir mŸssen dorthin gehen, wo wir den Verlust fŸrchten, ob es nun der Verlust des Lebens oder der Verlust von Gesicht oder Stellung ist. Wir mŸssen Hingabe als etwas entdecken, das es zu erleben gilt – und nicht als Idee oder Theorie. Wir mŸssen bereit sein zu fŸhlen. Sich Dingen zu stellen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, ist an sich schon eine Form von Hingabe. Das haben wir nicht in der Schule gelernt. Die Tragikkomšdie unserer Zivilisation ist, dass dies das einzige Element ist, das fŸr jede persšnliche Ausbildung erforderlich ist. Ich nenne es ãThe Art of Being¨Ò – die Kunst des Seins.

© Alan Lowen 2008

 

 

ãHappy Anyway! Die verlorene Kunst der Hingabe lernenÒ – ein Workshop mit Alan Lowen vom 20. - 24. Februar 2008, Schloss Glarisegg, Schweiz. Weitere Informationen: Malou + 41 (041) 630 27 5  <malou.burgman@gmx.net>