Das Geschenk als MŠnner und Frauen leben

von Alan Lowen, GrŸnder von The Art of Being¨

Translated by Susann P‡sztor

 

Weder die tiefste Schšnheit noch das grš§te VergnŸgen beim Sex findet sich im Sex selber! Sex ist nur der Weg zu einer Erfahrung, die so gewaltig ist wie die Existenz. Durch seine eigene Natur lŠdt der Sex dazu ein, uns zu šffnen, so dass unsere gesamte Erfahrung des Lebendigseins verstŠrkt wird. Das schlie§t unser Erleben von sexueller IntimitŠt mit ein. Im Tantra geht es um die Entdeckung und das Lernen dieser Offenheit, mit der wir den Reichtum und die Tiefe des Lebens erfahren kšnnen. Es ist eine Reise, die immer mehr von unserem Sein erweckt. Es ist das Streben nach unserer menschlichen Ganzheit, ebenso wie nach unserem spirituellen Erwachen, dann das Ganzsein in unserem Wesen erweckt und fŸhrt uns eines Tages unausweichlich zum Ewigen Geist in der Existenz. Deswegen erscheint Tantra einigen Menschen als etwas, in dem es um Sex geht, wŠhrend es fŸr andere nichts mit Sex zu tun hat. Beide Seiten haben Recht. Tantra bedeutet ãdas Einschlie§en der Ganzheit in der ExistenzÒ. Es ist das Gegenteil vom Zen; beide sind wie zwei Wege, die nach Osten und nach Westen um die Welt fŸhren, um schlie§lich am gleichen Ort anzukommen. Im Zen sitzen wir in der PrŠsenz von allem, was ist, und befreien uns von allem, was wir erfahren: Wir sagen zu allem ãNein! Weder dies noch dies, nicht dies, nicht dies ÉÒ, bis wir das Nichts erreichen. Und auch zum Nichts sagen wir: ãNicht dies.Ò Schlie§lich erwachen wir eines Tages in den Zustand des ãNo-mindÒ, des ãNicht-VerstandesÒ hinein, in dem wir nicht mehr getrennt sind von dem, was ist und was nicht ist.

 

Tantra ist die gleiche Reise des Erwachens – in die Gegenrichtung: Alles, was wir erfahren, akzeptieren wir. ãUnd dies, und dies, und dies, und dies ÉÒ – bis all unsere €ngste und Urteile sich auflšsen und wir in unserer Freiheit eins mit allem sein kšnnen, was hier und jetzt ist. In unserer všlligen Akzeptanz von allem, was das Leben in uns berŸhrt, leben wir wach und in Liebe mit der ewigen Gegenwart.

 

Die Essenz ist dieselbe: frei zu werden von den allzu normalen €ngsten und Begrenzungen, die uns verschlossen und unbewusst halten, und frei zu werden fŸr die Erfahrung des Lebens als bewusste Wesen, die das kostbare Geschenk des Seins feiern. Es gibt so viele Wege, um die Geschenke unseres Seins zu šffnen – was im †brigen der Grund dafŸr ist, warum The Art of Being eine solche Bandbreite verschiedener Workshops und Kurse anbietet.

 

Tantra kann wirklich alles im Leben sein, das uns lehrt, unsere einschrŠnkenden GlaubenssŠtze und Haltungen loszulassen und stattdessen zu lernen, wie wir die Gesamtheit all dessen, was ist, erfahren kšnnen. Das hei§t nicht, dass wir mit allem einverstanden sein mŸssen. Aber es bedeutet, dass wir in unserem Wesen offen und empfindsam genug sind, um alles zu spŸren, was das Leben hier und jetzt in uns berŸhrt. Wenn wir so offen sind, werden unsere Erfahrungen immer lebendig sein, und wir funktionieren bestens, weil all unsere inneren Ressourcen verfŸgbar sind, um uns auf das Leben einzulassen. Das schlie§t natŸrlich auch unsere Erfahrungen mit sexueller Liebe ein, und da dies eines der grš§ten VergnŸgen im Leben ist, ist es sehr wichtig, das Tantra des Lebens durch sexuelle Liebe zu entdecken. Im Tantra geht es um IntimitŠt mit der Existenz, was bedeutet, fŸhlen zu kšnnen – bis zum innersten Kern unseres Wesens. Wir mŸssen bereit sein, zu fŸhlen, und zwar auf eine freundliche Weise – nicht in Gestalt von Problemen oder Lasten, sondern als farbige Empfindungen, die uns lachen oder weinen lassen. Es geht um alle Nuancen jedweder BerŸhrung des Lebens mit unserer Persšnlichkeit – von der BerŸhrung einer Feder auf unserer Haut bis zu BerŸhrungen durch Liebe, GlŸck oder Tragšdien in Bauch, Herz und Seele. Tantra bedeutet die Bereitschaft und das Lernen, prŠsent zu sein fŸr alles, was berŸhrt. Folglich geht es um unsere grundlegendste Lebendigkeit – Kšrper, Herz und Seele! Tantra bietet uns Alchemie: die Transformation unserer Natur durch unsere Natur.

 

Wir leben in einer Kultur, die uns von unserer Natur entfremdet. Wir haben nicht gelernt, unsere GefŸhle zu wŸrdigen, und obwohl Sex eines der Hauptthemen in unseren Medien ist, reflektiert das meiste, was im Fernsehen, in Kinofilmen, der Presse usw. gezeigt wird, nur, wie sehr wir uns als sexuelle Wesen verurteilen und wie wenig wir gelernt haben, unsere sexuelle Natur mit unseren GefŸhlen, unseren Herzen und Seelen abzustimmen. Wie sollte man nicht verwirrt sein, wenn man in einer Gesellschaft aufwŠchst, die unter anderem dem Sex unsicher, verschŠmt, besessen, verklemmt, verŠngstigt, hungrig, pornografisch, ausbeuterisch, machomЧig, kichernd oder gleichgŸltig gegenŸbersteht? Was fŸr ein Schlamassel! Es liegt an der kraftvollen, instinktiven VitalitŠt unserer Natur, dass wir gelernt haben, irgendwie zu Ÿberleben, aber wir verdienen viel mehr als blo§es †berleben. Wir verdienen Licht und Leichtigkeit, unsere Schšnheit, Verspieltheit, KreativitŠt, Leidenschaft und MitgefŸhl.

 

Unsere natŸrlichen Instinkte sorgen sehr gut fŸr uns. Das Kennzeichen und das grš§te Geschenk, menschlich zu sein, ist unser instinktiver Trieb, nach der Wahrheit zu suchen, wer wir sind. Vorausgesetzt, dieser Teil wurde in unserer Kindheit nicht unterdrŸckt oder zerstšrt, werden wir von innen heraus gezwungen, in das Sein zu erwachen. Dieses einfache Wort ist Ausdruck fŸr die Transformation der Art und Weise, wie wir das Leben erfahren, und ist gleichbedeutend mit einer Wiedergeburt oder dem GefŸhl, zum allerersten Mal wirklich prŠsent zu sein. Alle Art of Being-Workshops und -Kurse, ganz gleich, welches Thema sie haben, sind dafŸr geschaffen, dieses Erwachen zu inspirieren und zu lernen, wie wir mit den unvermeidlichen, gewohnheitsmЧigen RŸckfŠllen in die mechanische Unbewusstheit umgehen kšnnen.

 

Es gibt so viele Wege, aufzuwachen, wie es Erfahrungen im Leben gibt! So wie ich es sehe, ist das ganze Leben, von seinen sŸ§esten Segnungen bis zu seinen unmšglichsten Herausforderungen, von seinen leichtesten GenŸssen bis zu seinen dunkelsten AbgrŸnden, eine Einladung, jetzt hier zu sein. In einer gesunden Kultur wŠre das Heranwachsen gleichzeitig das Erwachen, und unser Schulsystem wŸrde darauf aufbauen – das hei§t, es wŠre begrŸndet auf Bewusstheit und Liebe. In unserer Zivilisation ist das nicht so, und deshalb muss jeder von uns seinen eigenen Weg finden. Wenn wir GlŸck haben, ist der Schaden, der durch das Aufwachsen in einer Kultur entstand, die sich stattdessen mit Selbstbildern und Personenkult befasst, mit Wettbewerb, Erfolg, Versagen und all dem damit einhergehenden psychischen Schmerz, mit UnterdrŸckung und der Gewalt, zu der sie fŸhrt, mit Geld und Ausbeutung, mit Habenwollen und der kriminellen Kultur, die Teil von alldem ist – wenn wir GlŸck haben, kšnnen wir immer noch in uns selbst diese drŠngende, vielleicht sogar gequŠlte Stimme hšren, die ruft: ãEs muss mehr im Leben geben als all dies. Ganz bestimmt ist es nicht das, worum es geht!Ò Dann mŸssen wir uns auf die Suche machen. The Art of Being¨ ist nur einer von unzŠhligen Wegen zum Erwachen.

 

Sex spielt eine SchlŸsselrolle bei der Einladung ins Erwachen. Beim Sex geht es um den Kšrper, um das VergnŸgen, um uns als MŠnner und Frauen, die sich an ihrer eigenen Natur und an der des anderen erfreuen. Aber es ist nicht nur das. Eine der komischen Sachen am Sex ist, dass wenn er fŸr uns nicht als Weg zum Erwachen dient, er uns entweder in eine eintšnige Sackgasse fŸhrt, weil seine Mechanik uns langweilt, oder zur Droge wird und uns zu immer ausgefalleneren Experimenten treibt auf der Suche nach mehr. Der €rger mit dieser Option ist, dass wir dabei weder wachsen noch blŸhen, und eines Tages gehen uns sowieso die Wahlmšglichkeiten aus: Die Natur sorgt dafŸr! Sex als Weg zum Wachstum bedeutet nicht nur mehr VergnŸgen, sondern auch und im wesentlichen seine Integration in unsere GefŸhle und unser Bewusstsein. Es ist ein Weg, um ganz zu werden als glŸckliche MŠnner und Frauen, die zu lieben wissen und fŸr die Sex heilig ist, schšn und ekstatisch. Genau darum geht es im Tantra. Es geht nicht um das Erlernen von Techniken, um besseren Sex zu haben. Das BedŸrfnis danach ist Teil des Problems, nicht die Lšsung! Nein, wir mŸssen die innere Welt unserer GefŸhle und unserer Natur wieder entdecken und lernen, wie wir die Geschenke als MŠnner und Frauen feiern kšnnen – in einer Existenz, die sowohl spirituell als auch physisch ist, sexuell und heilig.

 

Wir brauchen es, damit wir die intimen Liebesbeziehungen haben kšnnen, nach denen sich die meisten von uns wirklich sehnen. Die Medien quŠlen uns permanent mit diesem Traum, doch sie zeigen uns nicht, wie man ihn lebt. Dazu mŸssen wir aufwachen und all die ReichtŸmer in uns entdecken, von denen wir getrŠumt haben. IntimitŠt ist das VergnŸgen, unsere SchŠtze miteinander zu teilen. Darum geht es in The Art of Being¨. Ob sie von Geburt, Tod, Beziehungen, Sex oder dem reinen Sein handeln – alle The Art of Being-Workshops sind in ihrer Essenz Einladungen zur Feier all dessen, was wir sind und allem, was ist. Zu lernen, wie wir unsere Ganzheit als MŠnner und Frauen zurŸckgewinnen, die glŸcklich leben und leidenschaftlich lieben, ist der wichtigste und erfŸllendste Weg des Erwachens.

 

© Alan Lowen 2002