MEIN WEG!

von  Alan Lowen

†bersetzung: Susann Pasztor

 

Ohne Persšnlichkeit wŠren wir alle durchsichtige, unbedeutende Figuren – dafŸr ist noch Zeit genug, wenn wir sterben! Aber im Ernst: So, wie wir sind, spielen unsere Persšnlichkeiten eine farbenfrohe Rolle. Sie verleihen uns Einzigartigkeit und manche unserer liebenswerten Eigenschaften, ebenso wie unsere schlechten Gewohnheiten und mechanischen Programme. Ja, wenn Persšnlichkeit alles ist, was wir sind, oder vielmehr: Wenn wir funktionieren, als wŠre sie alles, was wir sind, dann leben wir – hoffentlich! – mit dem GefŸhl tief drinnen, dass etwas verkehrt sei. Es macht keinen Spa§, mit der Frage ãWas ist an mir verkehrt?Ò zu leben, aber Tatsache ist, dass wir unser Leben lang versuchen, uns an anderer Leute Vorgaben anzupassen, statt eine Persšnlichkeit zu entwickeln, die unseren echten BedŸrfnissen, Visionen, Talenten und Eigenheiten Rechnung trŠgt. Und daran IST etwas verkehrt, ganz grundsŠtzlich verkehrt!

 

Nun zu den Eigenheiten! Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Menschen getroffen habe, der nicht auf irgendeine Weise in seiner Kindheit verletzt worden wŠre. Vielleicht ist das unsere notwendige Initiation, der Preis, den wir bezahlen mŸssen, um die zu werden, die wir wirklich sind. Vielleicht sind wir alle wie der Schmetterling, der sich aus dem Kokon herauskŠmpfen MUSS, um stark genug zu sein zu fliegen, nachdem er sich von der HŸlle befreit hat. Unsere Verletzungen sind wesentliche Merkmale unserer Persšnlichkeit und tragen zu ihrer Einzigartigkeit bei. Viele Arten von Heilung geschehen, wŠhrend wir in uns hineinwachsen, aber es gibt Wunden, mit denen wir uns einfach abfinden und befreunden mŸssen; Wunden, die wie Narben oder Hindernisse oder SchwŠchen sind, die immer in uns sein werden. Wenn wir sie akzeptieren – und dies ist auf unserer Reise der Selbstverwirklichung eine Hauptaufgabe –, integrieren wir sie in unsere Art zu leben. Sie haben starken Einfluss auf das, was uns glŸcklich macht. Selbst wenn wir zutiefst eins sind mit uns, rufen sie unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen und unterschiedliche FŠhigkeiten in uns hervor, so dass wir gar nicht anders kšnnen, als nach unterschiedlichen Lebensformen zu suchen.

 

All das wird auf plastische Weise an der Verschiedenheit der menschlichen SehnsŸchte im Bereich von intimen Beziehungen deutlich. Es bringt nichts, die Gesellschaft entscheiden zu lassen, was richtig ist. Das hie§e, Menschen mit der Ansicht zu schikanieren, sie seien verkehrt, wenn sie sich nicht anpassen kšnnen. Was ãrichtigÒ bedeutet, ist eine zutiefst persšnliche Angelegenheit. Das zu entdecken ist eines der gro§en Abenteuer, wenn wir lernen, das Geschenk unseres Seins zu leben. GefŠrbt von unserer inneren Natur und all dem, was uns vom Moment unserer EmpfŠngnis bis hin zum Erwachsensein widerfuhr, ist jeder einzelne von uns ein Mysterium, das nach seiner ErfŸllung sucht. Letztlich ist es eine mystische Suche, die uns eines Tages in den Bereich der SpiritualitŠt fŸhrt, aber nichts wird uns so gewaltig berŸhren, erregen, erheben und manchmal abstŸrzen lassen wie unsere Liebesbeziehung(en). Es gibt Menschen, die ihr GlŸck in der Einsamkeit finden und nichts als Abgeschiedenheit suchen. FŸr die meisten von uns jedoch geht es um das Abenteuer, den einen Menschen zu finden, nach dem wir uns sehnen – oder uns zu šffnen, um sexuelle IntimitŠt genie§en und feiern zu kšnnen, so dass wir DEN EINEN finden, vielleicht.

 

Dieses vielleicht ist sehr wichtig. Ich sehe es die ganze Zeit, besonders in den Tantra-Workshops der Art of Being und Kursen wie Body, Heart & Soul, wie manche Menschen einfach ihre unschuldige, schamlose sexuelle Lebendigkeit entdecken und aus allen mšglichen, sehr guten GrŸnden frei sein mŸssen, um erotisch spielen zu kšnnen. Sie suchen nicht nach einer Beziehung, vielleicht weil sie wissen, dass sie fŸr diese Art Verbindlichkeit nicht bereit sind. Vielleicht waren sie auch zu lange Zeit in vergangenen Beziehungen gefangen gewesen, die ihnen nur UnglŸck gebracht hatten. Vielleicht sind sie unterwegs, um zu lernen, wie sie eines Tages mit ihrer einen und einzigen geliebten Person eine schšne Beziehung haben kšnnen, und vielleicht sind sie auch unterwegs, um etwas všllig anderes zu entdecken.

 

Und genau darum geht es! Alles, was wir auf dieser Reise zur Feier unseres Seins mit all seinen Geheimnissen und der Unendlichkeit unseres spirituellen Potenzials brauchen, ist unseren eigenen Weg zu finden. Wenn wir den nicht finden, was machen wir dann hier? Du bist nicht hier, um es auf meine Art zu machen, und ich nicht auf deine. Wenn wir entdecken, dass das ZusammenfŸhren unserer Wege uns glŸcklich macht – wie schšn, dass wir einander gefunden haben! Und sicherlich wird es  Schwierigkeiten auf dem Weg geben – auf deinem oder meinem? Was auch immer uns anmacht, wir werden uns den Herausforderungen stellen. Sie sind unsere Lehrer. Aus manchen unserer verletzten Verhaltensweisen mŸssen wir herauswachsen, weil sie weder uns noch anderen dienen. Es gehšrt zu den Geschenken des Menschseins, dass je mehr wir lernen, unser Innenleben zu akzeptieren und uns mit ihm anzufreunden, umso freier wir von den kleinlichen und hŠsslichen Eigenschaften unserer Persšnlichkeiten werden. Unser Weg mag wie kein anderer sein, aber wie bei jedem anderen gibt er uns unsere Anmut und Schšnheit, wenn wir ihn finden.

 

Wenn wir das verstehen, kšnnen wir einander ECHTE Freundschaft schenken. Das kann niemals hei§en: ãIch wei§, was fŸr dich richtig ist.Ò Es kann nur meine Gegenwart an deiner Seite sein, wenn du einen Freund brauchst, der dir dabei hilft, DEINER Reise zu vertrauen und DEINEN Weg zu finden. Das ist der Leitgedanke der Art of Being. Deswegen sind die Workshops Ÿber SexualitŠt so gestaltet, dass sie jedem einen sicheren Raum zum Lernen geben – von denen, die allein kommen und offen fŸr jeden sind, bis zu denen, die nur mit ihrem Geliebten intim sein wollen. Und deswegen gibt es einen Workshop, auf dem Paare lernen kšnnen, fŸreinander zu sorgen – und fŸr sich selbst, wenn ihre Wege nicht so gut zusammen passen.  Und das hei§t zu lernen, auch der beste Freund der geliebten Person zu sein. Ich mšchte, dass alle den Weg finden und wŸrdigen, der wahrhaft ihrer ist. Ich muss ihn nicht kennen. Ich muss ihn nur solange fŸr sie lieben, bis sie es selbst tun. Das ist mein Weg.

© Alan Lowen 2006