Seele, Sehnsucht, Schšnheit und
Sein
von Alan Lowen, GrŸnder von The Art
of Being¨
Translated by Susann
P‡sztor
Je weiter ich dieses Leben durchlaufe, umso mehr wŠchst die Erkenntnis, dass ich vor allem ein Lernender bin und immer sein werde. Es gefŠllt mir so – immer der Existenz zu begegnen, als wŠre sie ein neues Ereignis, ein endlose Folge von Augenblicken, die ich nie zuvor erlebt habe. In dieser Gegenwart! Der Zen-Priester Shunryu Suzuki sprach von ãZen-Geist, AnfŠnger-GeistÒ. Genau das meine ich.
AnfŠnger-Geist klingt dŸnn, wenn du es nur mit deinem Verstand hšrst. Zen – es kšnnte ebenso Tao oder Tantra oder Mystik sein – versetzt es in eine andere Dimension. Verstand und Seele sind miteinander verwoben. Wenn deine Seele zuhšrt, lebt dein Verstand im Wunder. Ohne Seele ist der Verstand lediglich ein Rechner, mehr oder weniger clever, aber frei von Inspiration. Deshalb bedeutet unsere PrŠsenz nur wenig, wenn unsere Seele nicht dabei ist. Und es gibt nichts, wonach sich unsere Seele mehr sehnt, als zu unserem Hier und Jetzt zu gehšren – immer wieder am Wunder des Seins teilzuhaben, sich immer wieder fŸr das neue entstandene Mysterium zu šffnen. Ein AnfŠnger-Geist ist reich an Seele.
Aber was fŸr eine Reise, um zum Anfang zu gelangen! Wie sehr wir wachsen mŸssen! Wie viel wir in uns šffnen mŸssen, loslassen, uns hingeben, erwachen ... damit wir wirklich hier sein kšnnen, zuhause in unserer Natur, in Freundschaft mit unseren GefŸhlen, offen im Herzen. Und unsere Seele hŠlt uns stŠndig in Verbindung mit dem Geist, der alles durchdringt, was ist. Wenn das der Fall ist, brauchen wir nicht an Gott zu glauben. Unsere Erfahrung macht den Glauben ŸberflŸssig. Unsere Seele ist sich des unfassbaren Mysteriums des Geistes gewahr und lŠsst es in jedes gewšhnliche Ereignis ein, wie belanglos auch immer es sein mag. In jedem Augenblick atmen wir Ewigkeit.
Das ist mystische PrŠsenz. Es ist ein gleicherma§en bodenstŠndiger wie hochfliegender Zustand. ãWurzeln und FlŸgelÒ, pflegte Osho zu sagen. Unsere echte PrŠsenz enthŠlt unsere wahre Intelligenz und unseren grš§ten Erfindungsreichtum. Alles, was wir je erfahren haben, alles, was wir gelernt haben, ist eingeschlossen. Auf diese Weise wird unser AnfŠnger-Geist mit der Zeit ein weiser AnfŠnger-Geist. FŸr jeden von uns gibt es Fehler, die wir immer wieder wiederholen, und solche, die wir nur ein- oder zweimal machen mŸssen – bis sich etwas in unserem Dasein verwandelt hat, so dass wir auf andere Weise auftreten. Das verstehe ich unter echtem Lernen: Wir begegnen der Gegenwart auf eine andere Art, weil das Lernen etwas in unserem Wesen verŠndert hat.
Und Schšnheit! Es ist unsere lebendige Seele in unserem Wesen, die das Leben schšn macht. Es ist auf traurige Weise faszinierend, wenn ich sehe, wie viele Menschen sich selbst oder ihrem Leben nicht erlauben, schšn zu sein. Ich spreche nicht von den oberflŠchlichen Tricks der Schšnheitsindustrie. Ich meine die Schšnheit, die wir auf natŸrliche Weise lieben und fŸr sie sorgen, wenn unsere Seele wach und aufmerksam ist. Wenn die Seele prŠsent ist, dann ist auch die Schšnheit da. Einer der berŸhrendsten und bewegendsten Aspekte beim Leiten von Art of Being-Workshops ist in all den Jahren fŸr mich das Privileg gewesen, Zeuge des Moments zu sein, in dem plštzlich – und immer unerwartet – jemand erlaubt, seine Seele in sein Dasein hineinflie§en zu lassen. Wenn sich Schšnheit ereignet, berŸhrt sie jeden. Dazu ist Schšnheit da! Sie nŠhrt die Seele in der Existenz, damit der Geist gespŸrt und gefeiert werden kann.
Tief unten, ganz gleich, wie sehr wir uns verschlossen haben, muss unsere Seele sich danach sehnen, ins Licht unseres Tages eingelassen zu werden. Sie verzehrt sich danach, unsere Tage und NŠchte mit ihrem Licht zu inspirieren. Ich glaube, es ist die tiefste Sehnsucht in allen Wesen. Alles, worauf wir warten, ist unsere eigenen Erlaubnis, hier und jetzt zu sein. Diese Erlaubnis zu erhalten ist unsere Odyssee, unsere persšnliche Reise der …ffnens und Erwachens. Es ist eine sehr mysterišse Reise, weil ihr Ziel ist, die Reise zu lieben.
©Alan Lowen, April 2009